Und plötzlich sind es drei
  20.05.2021 •     Verband , Jugend , Schule


Der Volleyball-Landesverband Württemberg (VLW) wird bereits zum dritten Mal mit dem Nachhaltigkeitspreis des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSVBW) ausgezeichnet.

Und plötzlich sind es drei

Volleyball ist weit mehr als ein Ball, ein Netz, zwei Teams und: los geht’s. Gerade bei technisch und koordinativ anspruchsvollen Sportarten ist ein gut funktionierendes, harmonisches Miteinander der Sporttreibenden untereinander wichtig. Teamgeist, das Sich-Verlassen-Können auf den anderen, gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren. Doch vielen Kindern und Jugendlichen, auch mitten unter uns, bleiben solche Erfahrungen aus Armutsgründen verwehrt.
Schön, wenn dann gerade Volleyballer einmal über den Spielfeldrand hinausblicken – was beim VLW zum wiederholten Male passiert.
In den vergangenen Jahren wurden bereits zwei VLW-Projekte vom LSVBW ausgezeichnet: „Volleyball verbindet“ mit dem Schwerpunkt Integration sowie „Der VLW für mehr nachhaltige Mobilität im Sport“, mit dem Ansatz, möglichst viele Fahrten von Funktionären und Sportlern mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten und wo möglich zu vermeiden. Dafür wurden beispielsweise die Mannschaften so in Staffeln eingeteilt, dass die Summe aller Anfahrtswege minimal ist. 

Blick über den Spielfeldrand hinaus

Dieses Mal, in einem Jahr, in dem sich alles nur um das Corona-Virus dreht, haben sich die Verantwortlichen im Verband dem Thema Kinderarmut angenommen: „Volleyball im Verein – meine Heimat“ heißt das aktuelle Projekt, welches über mehrere Monate entwickelt und nun vom LSVBW mit dem Nachhaltigkeitspreis gekürt wurde.
Elvira Menzer-Haasis, die Präsidentin des LSVBW erklärt die Entscheidung: „Das Projekt des VLW berührt und macht gleichzeitig klar, welche enorme integrative, demokratische und partizipative Leistungen unsere Vereine und Verbände tagtäglich bringen.“
Projektleiter bei VLW ist Torben Engelhardt, dem soziale Projekte persönlich sehr wichtig sind. „Wir wollen damit Kinder erreichen, die sozial benachteiligt sind, diese fördern und im Anschluss in die Vereins- und Verbandsarbeit integrieren.“ Als Mitstreiter hat sich der VLW die Initiative „Children First“ mit ins Boot geholt. „In der Pandemiezeit, die uns alle belastet, haben doch alle bemerkt, wie viel Bedeutung die soziale Teilhabe für uns hat. Für Erwachsene sind die Pandemieverordnungen ein Zeitabschnitt, der zu bewältigen ist – für Millionen von Kindern und Jugendlichen sind kulturelle Beschränkungen im Alltag jedoch ein Dauerzustand“, sagt Roman Jung vom Verein Children First, der sich für Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen einsetzt. „Wir rechnen damit, dass alleine in Stuttgart rund 30 000 Kinder an der Armutsgrenze leben“, sagt Jung.

Volleyballsport als neue Heimat

Im Volleyballsport ist das persönliche Miteinander wesentlicher Spielgedanke und damit besonders geeignet, eine Wertevermittlung durch Sport zu ermöglichen. Volleyball soll diesen Kindern eine Heimat im Sport geben.
Die Idee, die nun mit dem Preisgeld des LSVBW umgesetzt werden kann: Der VLW veranstaltet mehrere Camps für von Armut betroffene Kinder, zum Beispiel in der Landessportschule Ruit. Dort kümmern sich Trainer, Pädagogen und Sozialarbeiter gemeinsam um die Kinder. Hinführung zum Volleyballspiel und gemeinsame Organisation eines Turniers sind wichtige Inhalte des Camps. Mit begleitenden Maßnahmen wird ein Vertrauensverhältnis zu den jungen Teilnehmer:innen aufgebaut.

Erlebnisse und Ausrüstung für die Zukunft

Während in den wirtschaftlich starken Nationen manche Kinder und Jugendliche ihre Sneakersammlungen mit stundenlangem Anstehen und hohem finanziellen Aufwand bei hippen Markteinführungen vergrößern, haben andere zur gleichen Zeit nicht mal ein paar Turnschuhe, um überhaupt Sport treiben zu können. So will der VLW über einen Spendenaufruf bei Firmen und Vereinen ein adäquates Teilnehmer-Paket für die Camps zusammen zustellen. Turnbeutel, T-Shirts, Trinkflaschen, Caps und Sonnencreme – alles was man bei einem Beachvolleyball-Turnier braucht.
Diese Camps sind im Sommer geplant.
Dr. Ralf Hoppe, VLW-Vizepräsident Leistungssport, ist nicht nur über den Gewinn des Nachhaltigkeitspreises begeistert: „Es ist super, dass wir junge und motivierte Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle haben, die sich über Menschen Gedanken machen, denen es nicht so gut geht.“ Der LSVBW fördert dieses Projekt mit der maximalen Fördersumme von 15 000 Euro.
„Über die Camps wollen wir die Kinder und Jugendlichen an die Vereine heranführen. Je besser uns das gelingt, desto nachhaltiger wirkt das Projekt“, sagt VLW-Geschäftsführer Andreas Burkard und freut sich über die Förderung durch den LSVBW.

Apropos Nachhaltigkeit: Der VLW ist auch der erste Sportfachverband, der sich der N!-Charta Sport des Umweltministerium Baden-Württembergs angeschlossen hat.